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Die Kakao-Brauer

Bioreaktor statt Baumplantage: Das Schweizer Start-up Food Brewer will die Kakaoproduktion revolutionieren. Zum Erfolgsrezept gehört ein stabiler Prozess mit verlässlicher Messtechnik.

03.09.2026 Text: Marlene Etschmann Fotografie: Andreas Mader
Das Schweizer Start-up Food Brewer will die Kakaoproduktion revolutionieren.

Für Süßschnäbel sind die Zeiten bitter. Der Kakaopreis hat sich in drei Jahren mehr als verdoppelt, das spürt man auch beim Schokoladenkauf. Extremwetter, Pflanzenkrankheiten und Spekulationen auf den Rohstoffmärkten treiben die Preise in die Höhe. Schokoladenhersteller suchen deshalb nach Alternativen. Bald könnten sie am Zürichsee fündig werden: Nicht auf Plantagen in Hanglage, sondern in einem ehemaligen Industriegebäude. Hier produziert das Schweizer Start-up Food
Brewer Kakao – im Bioreaktor.

Zellkultur statt Kakaobaum

„Das funktioniert ähnlich wie beim Bierbrauen“, erklärt Klaus Kienle, Mitgründer und Chief Production Officer, den Prozess. „Wir selektieren die besten Zellen aus der Kakaobohne, bringen sie in Flüssigkultur und ernten am Ende Rohkakao.“ Geröstet kann das Pulver genauso verarbeitet werden wie gemahlene Kakaobohnen. Kaffee, Nüsse und Beeren lassen sich auf die gleiche Weise produzieren, zurzeit konzentriert sich Food Brewer jedoch auf Kakao.

Food Brewer kultiviert die Kakaozellen in einem Fermenter eines Brauerei-Ausrüsters. ©Endress+Hauser

Robuste Sensorik für empfindliche Zellen

Die Kakaozellen müssen stets gleichmäßig von Nährstoffen und Sauerstoff umspült sein, um sich optimal zu vermehren. Food Brewer kultiviert sie in einem Fermenter eines Brauerei-Ausrüsters. Der Prozess läuft semi-kontinuierlich: Im Abstand weniger Tage wird ein Teil der Kulturbrühe abgezogen, um Kakao zu ernten und frische Nährlösung nachzufüllen.

In den Pilotreaktoren messen Geräte von Endress+Hauser Füllstand, Temperatur, pH-Wert, Gelöstsauerstoff und Durchfluss. „Wir haben uns für Endress+Hauser entschieden, weil das Unternehmen über großes Know-how in der Lebensmittelindustrie verfügt“, sagt Kienle. „Unsere Ansprechpartner haben uns die passenden Produkte angeboten: robust, langlebig und leicht zu bedienen.“ Dank digitaler Kommunikation über IO-Link und PROFINET ist sichergestellt, dass der Zustand der Instrumente jederzeit transparent ist und die Messwerte stimmen. „Wir können uns auf unseren Prozess verlassen und ihn von überall aus verfolgen“, sagt Kienle.

In den Pilotreaktoren messen Geräte von Endress+Hauser z.B. den Füllstand. ©Endress+Hauser

Gemeinsam zum Industriemassstab

„Food Brewer hat eine innovative Bioprozesstechnik entwickelt. So kann die nachhaltige Lebensmittelproduktion von Morgen aussehen“, sagt Jochen Kötzle, der bei Endress+Hauser das Strategic Account Management für die Lebensmittelindustrie leitet. Die enge Zusammenarbeit mit Ausrüster und Endkunde schätzt er sehr: „Wir erfahren, wo sich der Markt hinbewegt und was die Kunden brauchen werden.“ Das Portfolio von Endress+Hauser bietet zum Beispiel bereits eine ethernetbasierte Datenkommunikation, die eine Messung von Qualitätsparametern im Prozess in Echtzeit ermöglicht. „Durch die Kollaborationen können wir unsere Produkte ständig weiterentwickeln und zukunftsfähig machen“, sagt Kötzle.

Aktuell kommt Food Brewer auf ein Produktionsvolumen von etwas über 6.000 Liter Kakaomasse, das Ziel von Klaus Kienle sind mehr als 100.000 Liter. Die Maßstabsvergrößerung ist entscheidend, um die zellbasierte Kakaoproduktion wirtschaftlich tragfähig und marktrelevant zu machen. „Wir wollen große Mengen zu erchwinglichen Preisen produzieren. Dazu benötigen wir leistungsstarke, stabile Systeme“, sagt er. „Partner wie Endress+Hauser haben für solche Skalierungen in der Lebensmittelindustrie die richtige zukunftsorientierte Denkweise.“

Kakao von nebenan

Mit dem Ausbau der Produktion geht Food Brewer auch die Marktzulassung in den USA an. Sollte sich der Zellkulturkakao in der Industrie durchsetzen, sieht Kienle keine Gigafactory entstehen, sondern dezentrale Produktionsstätten neben den Schokoladenfabriken. Dieses Modell würde die Lieferkette revolutionieren. Statt des Rohstoffs aus den Tropen, der oft unter kritischen Bedingungen hergestellt wird, gäbe es dann ein nachhaltiges Produkt mit minimalem Transportweg und lokaler Wertschöpfung. Vom Food-Brewer-Standort zum Hauptsitz von Lindt & Sprüngli sind es zum Beispiel gerade mal rund zehn Kilometer. Der berühmte Schweizer Schokoladenhersteller hat bereits in das Start-up investiert.

Klaus Kienle, Mitgründer und Chief Production Officer

„Wir wollen große Mengen zu erschwinglichen Preisen produzieren. Dazu benötigen wir leistungsstarke Systeme.“

Klaus Kienle , Chief Production Officer Food Brewer

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